Ray Barracks: FDP fordert Festhalten an ziviler Entwicklung
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat die Friedberger Kaserne am 9. Juli 2026 als eine von acht Liegenschaften benannt, die sich besonders gut für den Neuen Wherdienst eignen. Zwar steht die endgültige Entscheidung noch aus und das Ministerium hat Gespräche mit den betroffenen Kommunen angekündigt, doch die seit Jahren vorbereitete zivile Entwicklung des Areals mit dringend benötigten Wohnungen und Gewerbeflächen ist damit weiterhin blockiert. Die FDP Friedberg kritisiert dieses Vorgehen. Die Freien Demokraten fordern, den vom BMVg angekündigten Standortdialog zu nutzen, um den Weg für die zivile Konversion wieder freizumachen. „Die RayBarracks sind die zentrale Entwicklungsperspektive für Friedberg. Die Fläche ist für unserer Stadt und die Wetterau zu wertvoll, um sie wirtschaftlich ungenutzt zu lassen. Denn Wohn- und Gewerbeflächen, die nicht in der ehemaligen Kaserne entstehen, müssen anderswo entwickelt werden und gehen so zu Lasten wertvoller Ackerflächen. Dabei bedeutet geopolitische Resilienz nicht nur den Auf- und Ausbau militärischer Fähigkeiten, sondern auch den Erhalt eigener Flächen zur Lebensmittelproduktion“, sagt Sabine Fuchs, stellvertretende Vorsitzende der Friedberger FDP.
In der Wetterau herrscht seit Jahren ein erheblicher Druck auf dem Wohnungsmarkt: Die Bevölkerung im Altkreis Friedberg ist seit 1990 um rund 35.000 Menschen auf über 210.000 gewachsen und ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Im Gegenteil: das Hessische Statistische Landesamt erwartet, dass die Bevölkerung im Wetteraukreis bis 2050 stärker als in jedem anderen Landkreis in Hessen wachsen wird. Zudem sind die Flächen in Friedberg und der Wetterau aufgrund der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet besonders wertvoll. „Vergleicht man die wirtschaftlichen Strukturdaten Friedbergs mit denen der anderen sieben vom BMVg genannten Standorte, so liegt Friedberg – noch vor Speyer und Mönchengladbach – auf dem Spitzenplatz. Vor diesem Hintergrund wäre es aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar, eine Kaserne ausgerechnet dort zu reaktivieren, wo der damit einhergehende Verzicht auf Wohnungen, Arbeitsplätze und kommunale Investitionen am teuersten ist“, ergänzt Dr. Markus Schmidt, Vorsitzender der Friedberger FDP. Die ehemaligen Ray Barracks, mit rund 74 Hektar die letzte große Konversionsfläche in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, seien als neues Stadtquartier ideal; die Stadt habe die zivile Entwicklung mit Rahmenplan, Bürgerbeteiligung und einem laufenden Investorenauswahlverfahren zudem bereits weit vorangetrieben.
Den notwendigen Auf- und Umbau der Streitkräfte unterstützen die Freien Demokraten ausdrücklich; ihre Kritik richtet sich allein gegen die Wahl des Standorts. „Sicherheit und wirtschaftliche Vernunft sind kein Widerspruch. Die Ray Barracks verfügen seit dem Abzug der US-Armee im Jahr 2007 über keine militärisch nutzbare Grundinfrastruktur mehr; ihre Reaktivierung würde absehbar Jahre dauern und erhebliche finanzielle Mittel binden, während andere Regionen mit geeigneten Liegenschaften und ohne geografische Nähe zu einem der stärksten Wirtschaftszentren Europas um jeden Bundeswehrstandort werben“, sagt Dr. Björn Imbierowicz, Volkswirt und Vorstandsmitglied der FDP Friedberg. Die Politik müsse beim Aufwuchs der Bundeswehr stets auch die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Regionen im Blick behalten, betonen Schmidt und Imbierowicz. Schließlich sollten Verteidigungsausgaben als Kernaufgabe des Staates mittel- bis langfristig wieder vollständig aus Steuermitteln finanziert werden – und diese müssen im zivilen Leben erwirtschaftet werden. Eine Reaktivierung der Friedberger Kaserne würde letztlich die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands schwächen und wäre damit auch sicherheitspolitisch bedenklich, so die Liberalen.
Helge Müller, Vorstandsmitglied der Friedberger FDP, blickt auf 15 Jahre als Soldat und in der Wehrverwaltung zurück. Ihn besorgt, dass Stationierungsentscheidungen in der Vergangenheit oft übereilt und ohne langfristiges Konzept getroffen wurden. „Ich habe mit vielen Kameraden und zivilen Mitarbeitern erlebt, wie die Streitkräfte innerhalb weniger Jahre von der Landesverteidigung auf weltweite Hilfs- und Kampfeinsätze ausgerichtet wurden; nun soll die Landesverteidigung wieder stärker in den Blickpunkt rücken. Angesichts dieser Erfahrung habe ich die Sorge, dass die Friedberger Kaserne erst jahrelang ausgebaut und dann aufgrund einer veränderten Sicherheitslage nach wenigem Nutzungsjahren wieder aufgegeben wird.“ Für die Stadt Friedberg wäre ein solches Szenario ein erheblicher Schaden.
Hinzu kommt: da die Kaserne für den Neuen Wehrdienst genutzt werden soll, würden absehbar nur wenige Zeit- und Berufssoldaten sowie und zivile Beschäftigte dauerhaft in Friedberg leben und damit die hiesige Wirtschaft unterstützen. Die meisten der hier stationierten Soldatinnen und Soldaten wären nach bisherigem Kenntnisstand kurzzeitig auszubildende Wehrdienstleistende, die ihren Lebensmittelpunkt außerhalb Friedbergs haben würden. Dadurch bleiben die wirtschaftlichen Perspektiven einer Kaserne für Friedberg begrenzt.
Im Standortdialog der Stadt mit dem Bund erwartet die FDP Friedberg jetzt konkrete Antworten: Das Verteidigungsministerium solle sein langfristiges Stationierungskonzept offenlegen und ernsthaft prüfen, ob Alternativstandorte mit vorhandener militärischer Infrastruktur den militärischen Bedarf decken können. In jedem Fall sei aber eine sehr zeitnahe verbindliche Entscheidung der Bundeswehr nötig, um Friedberg endlich wirklich Planungssicherheit zu geben. In jedem Fall werden die Freien Demokraten die Entwicklung der ehemaligen Ray Barracks konstruktiv im Sinne Friedbergs begleiten.